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Ein Vortrag von Hans Ludwig Knau und Thomas Clever.

Aus dem Jahre 1147 erfahren wir von einer Kirche in Kierspe das erste Mal, und zwar in einer Besitzbestätigung für das Benediktinerkloster in Köln-Deutz, in der es heißt: „In Kirspe ecclesiam“ und „in Rodhe curtem cum capella“ [in Kierspe die Kirche und in Rhade die Kapelle]. Vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart muss es dabei an gleicher Stelle 4 Kirchenbauten gegeben haben, wobei wir von der Kirche vor 1330 keine näheren Nachrichten haben. Letztere soll nach Angaben des Pfarrers Hermann Rövenstrunck d. Ä. (ca. 1560-1644), um das Jahr 1330 gebaut worden sein. Von ihr stehen heute noch die Umfassungsmauern des Kirchenschiffs mit den gotischen Fenstern. Sie hatte vier Joche und einen dicken, hohen Turm. Im Laufe der Zeit waren Turm und Kirche jedoch so baufällig geworden, dass eine gänzliche Renovation unumgänglich wurde. Diese erforderte von der Gemeinde für die Finanzierung eine große Kraftanstrengung in darüber hinaus schweren Zeiten während und nach der napoleonischen Besetzung. Sparsamkeit wurde bei den erforderlichen Umbaumaßnahmen zum Schlüsselwort für den Baumeister, der eine erstaunliche, in der Zeit moderne Lösung bereithielt: Ein Bogenbohlendach, das im wesentlichen aus kircheneigenem Holz preiswert erbaut werden konnte und für einen Kirchenbau für den Gottesdienst im lutherischen Ritus geeignet war. Es entstand eine Kirche, die nicht bloß von dem Gesichtspunkte der Menage (Sparsamkeit) ausgehet, sondern auch in etwa auf Schönheit bedacht ist, um sich nicht dem öffentlichen Tadel des ganzen Publikums auszusetzen. So verteidigte sich der Baumeister Philipp Leonhard Pistor in einem Brief an den Präfekten des Ruhrdepartements Gisbert von Romberg, der eine Veränderung des Bauplanes forderte, weil dem Düsseldorfer Oberbaurat Lehmann das Bogenbohlendach des Kirchenschiffes und der Zwiebelturm nicht gepasst hat. Der mutige Baumeister konnte sich durchsetzen: Kierspe bekam eine Kirche, die sowohl vorteilhaft als auch selber schön ist.